Jörn Stoya: Ne Me Quitte Pas

Hy­po­chon­drisch grun­dier­te Be­find­lich­keits­be­kun­dun­gen ge­hö­ren grund­sätz­lich we­ni­ger zu der Ka­te­go­rie von Äu­ße­run­gen, die sich pro­duk­tiv in kunst­be­zo­ge­ne Fach­tex­te ein­brin­gen las­sen. Um­stän­de, un­ter de­nen sich kaum ein Hand­griff tä­ti­gen lässt, oh­ne ü­ber ge­sund­heit­li­che Kon­se­quen­zen für sich und an­de­re nach­zu­den­ken, mö­gen ei­ne dies­be­züg­li­che Aus­nah­me recht­fer­ti­gen, zu­mal es die­ser Ta­ge nicht nur um die kol­lek­ti­ve Ver­mei­dung ei­ner po­ten­tiell le­bens­be­droh­li­chen Er­kran­kung, son­dern auch um kör­per­li­che und psy­chi­sche Be­ein­träch­ti­gun­gen geht, wel­che in­fol­ge ei­ner vom stän­di­gen Sound mehr oder we­ni­ger a­lar­mie­ren­der „Co­ro­na-News“ un­ter­mal­ten Stu­ben­hocke­rei ge­ra­de­zu vor­pro­gram­miert sind …

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Michaël Aerts: Planetarium

Ei­gent­lich bö­ten sich an­läss­lich ei­nes pan­de­mie­be­ding­ten Shut­downs und ei­ner für vie­le un­um­gäng­li­chen Ver­rin­ge­rung be­ruf­li­cher Ak­ti­vi­tä­ten un­ge­ahn­te Frei­hei­ten, sich die Zeit mit aus­u­fern­dem Kul­tur­ge­nuss zu ver­trei­ben, wo­bei das Be­su­chen von Aus­stel­lun­gen, an­ders als das na­tur­ge­mäß in den ei­ge­nen vier Wän­den mög­li­che Bü­cher­le­sen, Fil­me­gucken und Mu­sik­hö­ren, be­dau­er­li­cher­wei­se au­ßen vor bleibt. Die Tat­sa­che, dass sich we­der die Be­trach­tung von Kunst­wer­ken in Ga­le­rien und Mu­seen noch pri­va­te Ur­laubs­rei­sen mit den der­zeit ge­bo­te­nen Ver­hal­tens­wei­sen über­ein brin­gen las­sen, ha­ben auch durch mei­ne Plä­ne ei­nen Strich ge­macht. Zum Ei­nen hat es sich mit der Kunst­ver­mitt­lung vor Ori­gi­na­len fürs Er­ste …

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Ulli Maier: Instant Vintage

So, wie sich die Da­seins­be­rech­ti­gung ei­nes Kell­ners an der Not­wen­dig­keit fest­macht, Spei­sen und Ge­trän­ke an ei­nen Tisch zu tra­gen, ver­dankt sich je­ne ei­nes Kunst­ver­mitt­lers grund­sätz­lich der Ver­mitt­lungs­be­dürf­tig­keit von Kunst­wer­ken. An­ders als im Res­tau­rant be­steht der ei­gen­tli­che Er­leb­nis­wert da­bei mit­un­ter we­ni­ger in dem, was man ser­viert, als in dem, was man vor­ent­hal­ten be­kommt. Ein­ge­denk der Vor­stel­lung, wo­nach die Kunst als Aus­drucks­me­dium welt­an­schau­li­cher Ideen selbst im­mer mehr in den Rang ei­nes welt­an­schau­li­chen Sys­tems auf­steigt, er­scheint es nicht ganz ab­we­gig, be­stimm­te küns­tle­ri­sche Ten­den­zen, de­ren Re­le­vanz­an­spruch sich ex­pli­zit in Ab­gren­zung von …

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Ide Andre, Andreas Bischoff, Nils Bleibtreu, Marcel Frey, Laura Sachs: Given Surface

Wenn es noch ei­nes end­gül­ti­gen Be­legs für die un­ge­bro­che­ne Om­ni­prä­senz der Nach­kriegs­mo­derne im Düs­sel­dor­fer Kunst­be­trieb be­durft ha­ben soll­te, so kann die­ser al­ler­spä­tes­tens in­fol­ge des letzt­jäh­rig ze­le­brier­ten ZERO-Ge­burts­tags als er­bracht an­ge­se­hen wer­den. Aus­stel­lun­gen und E­vents, im Zu­ge de­rer sich tau­sen­de die bei Pie­ne, Mack und Uecker do­mi­nie­ren­de Mo­no­chro­mie als Sicht­bar­ma­chung me­ta­phy­si­scher Sphä­ren vor Au­gen füh­ren lie­ßen, ga­ben aus­gie­big Ge­le­gen­heit zu pro­jek­ti­ven Deu­tun­gen, die in­so­fern kein kunst­his­to­ri­sches No­vum dar­stel­len, als dass ver­gleich­ba­re Re­zep­tions­an­sät­ze be­reits im Zu­sam­men­hang mit dem rus­si­schen Su­pre­ma­tis­mus o­der dem Gold­grund in der christ­li­chen Ma­le­rei …

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Thomas Wrede: Sceneries

Wenn man im Wör­ter­buch un­ter „Mi­me­sis“ nach­schlägt, fin­det sich ei­ne Rei­he di­ver­gie­ren­der De­fi­ni­tio­nen, wo­bei sich ei­ne se­man­ti­sche Schnitt­men­ge am ur­sprüng­li­chen alt­grie­chi­schen Wort­sinn fest­ma­cht, der auf deutsch so­viel wie „Nach­ah­mung“ be­deu­tet. Wie sich an glei­cher Stel­le nach­le­sen lässt, be­ru­hen die un­ter­schied­li­chen Be­griffs­aus­le­gun­gen auf ver­schie­de­nen Kon­no­ta­tions­kon­tex­ten, wel­che di­ver­se Wis­sens­be­rei­che von der Bi­o­lo­gie bis zur phi­lo­soph­i­schen Teil­dis­zi­plin der Äs­the­tik ein­schlie­ßen. In der Zo­o­lo­gie ver­steht man da­run­ter die Fä­hig­keit ei­nes Le­be­we­sens, zum Zwecke der Tar­nung die Ge­stalt sei­ner Um­welt an­zu­neh­men. Als phi­lo­soph­i­scher To­pos spielt die Mi­me­sis schon so lan­ge ei­ne …

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Fette / Koschkarow / Lahme

Um vor dem Hin­ter­grund der über­mäch­ti­gen On­line-Kon­kur­renz die ei­ge­nen fi­nan­ziel­len Über­le­bens­chan­cen zu er­hö­hen, ist man im Buch­ein­zel­han­del schon seit ei­ni­ger Zeit da­zu über­ge­gan­gen, den Um­satz durch den ver­mehr­ten Ver­kauf so­ge­nann­ter Nicht­buch­ma­te­ria­lien wie Schreib­wa­ren, Schlüs­sel­an­hän­ger oder Spiel­zeug an­zu­kur­beln. Un­ter die­sen meist im Kas­sen­be­reich feil­ge­bo­te­nen Ar­ti­keln ha­be ich kürz­lich ein park­schei­ben­ähn­li­ches, als „Kunst­kri­tik-Schei­be“ be­zeich­ne­tes U­ten­sil ent­deckt, mit dem sich, durch das wech­sel­sei­ti­ge Dre­hen mit zahl­rei­chen Fach­be­grif­fen be­druck­ter Papp­rä­der, nicht we­ni­ger als 50.625 „Aus­sa­gen ü­ber die Kunst“ bil­den las­sen. Da­bei las­sen sich …

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Das Rote Zebra: Eine Künstlergruppe stellt sich vor

Das ZEBRA fängt mit Z an und hört mit A auf
Das Z ist schwarz
Das A ist weiß
Das EBR ist zwischen den Streifen

Dies lässt sich al­ler­dings nicht ü­ber al­le Ver­tre­ter die­ser Spe­zies be­haup­ten. Wer Mit­te No­vem­ber in der Carl­stadt un­ter­wegs war, konn­te das Glück ha­ben, dem ein­zig­ar­ti­gen Exem­plar ei­nes ro­ten Ze­bras zu be­geg­nen. Da­bei han­delt es sich je­doch nicht um ei­nen vier­hu­fi­gen Step­pen­be­woh­ner, son­dern um ei­ne acht­köp­fi­ge Küns­tler-Ko­o­pe­ra­ti­ve, de­ren Wer­ke zur Zeit in der Di­rect Art Gal­lery zu se­hen sind und de­ren Ar­beits­mit­tel­punkt sich …

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FORT: Sweet Sickness

Wie sich beim Zap­pen durch Fern­seh­prog­ram­me, dem Durch­ge­hen von Ra­dio­sen­dern o­der ei­nem Blick auf Buch­hand­lungs­re­ga­le kon­sta­tie­ren lässt, ge­ben Lie­bes­ge­schich­ten ein wie eh und je gän­gi­ges The­ma in­ner­halb un­ter­hal­tungs­kul­tu­rel­ler Gen­res ab, wo­hin­ge­gen sich die Hoch­kunst im Zu­ge der jüng­sten E­po­chen zu ei­ner e­her li­bi­do­frei­en Zo­ne ent­wickelt hat. Dar­stel­lun­gen von Put­ten und Schmet­ter­lin­gen um­spiel­ter, mehr oder we­ni­ger be­klei­de­ter Paa­re, die bis zum An­bruch der Mo­der­ne zum fes­ten Re­per­toire der pro­fa­nen und my­tho­lo­gi­schen I­ko­no­gra­phie ge­hör­ten, lau­fen heu­te Ge­fahr, den Ein­wand der Tri­via­li­tät o­der der Ob­szö­ni­tät zu er­re­gen. Da­bei las­sen sich, wie im Mo­tiv ei­nes Schach­spiels, wel­ches …

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