Ulli Maier: Instant Vintage

So, wie sich die Da­seins­be­rech­ti­gung ei­nes Kell­ners an der Not­wen­dig­keit fest­macht, Spei­sen und Ge­trän­ke an ei­nen Tisch zu tra­gen, ver­dankt sich je­ne ei­nes Kunst­ver­mitt­lers grund­sätz­lich der Ver­mitt­lungs­be­dürf­tig­keit von Kunst­wer­ken. An­ders als im Res­tau­rant be­steht der ei­gen­tli­che Er­leb­nis­wert da­bei mit­un­ter we­ni­ger in dem, was man ser­viert, als in dem, was man vor­ent­hal­ten be­kommt. Ein­ge­denk der Vor­stel­lung, wo­nach die Kunst als Aus­drucks­me­dium welt­an­schau­li­cher Ideen selbst im­mer mehr in den Rang ei­nes welt­an­schau­li­chen Sys­tems auf­steigt, er­scheint es nicht ganz ab­we­gig, be­stimm­te küns­tle­ri­sche Ten­den­zen, de­ren Re­le­vanz­an­spruch sich ex­pli­zit in Ab­gren­zung von …

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Ide Andre, Andreas Bischoff, Nils Bleibtreu, Marcel Frey, Laura Sachs: Given Surface

Wenn es noch ei­nes end­gül­ti­gen Be­legs für die un­ge­bro­che­ne Om­ni­prä­senz der Nach­kriegs­mo­derne im Düs­sel­dor­fer Kunst­be­trieb be­durft ha­ben soll­te, so kann die­ser al­ler­spä­tes­tens in­fol­ge des letzt­jäh­rig ze­le­brier­ten ZERO-Ge­burts­tags als er­bracht an­ge­se­hen wer­den. Aus­stel­lun­gen und E­vents, im Zu­ge de­rer sich tau­sen­de die bei Pie­ne, Mack und Uecker do­mi­nie­ren­de Mo­no­chro­mie als Sicht­bar­ma­chung me­ta­phy­si­scher Sphä­ren vor Au­gen füh­ren lie­ßen, ga­ben aus­gie­big Ge­le­gen­heit zu pro­jek­ti­ven Deu­tun­gen, die in­so­fern kein kunst­his­to­ri­sches No­vum dar­stel­len, als dass ver­gleich­ba­re Re­zep­tions­an­sät­ze be­reits im Zu­sam­men­hang mit dem rus­si­schen Su­pre­ma­tis­mus o­der dem Gold­grund in der christ­li­chen Ma­le­rei …

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Thomas Wrede: Sceneries

Wenn man im Wör­ter­buch un­ter „Mi­me­sis“ nach­schlägt, fin­det sich ei­ne Rei­he di­ver­gie­ren­der De­fi­ni­tio­nen, wo­bei sich ei­ne se­man­ti­sche Schnitt­men­ge am ur­sprüng­li­chen alt­grie­chi­schen Wort­sinn fest­ma­cht, der auf deutsch so­viel wie „Nach­ah­mung“ be­deu­tet. Wie sich an glei­cher Stel­le nach­le­sen lässt, be­ru­hen die un­ter­schied­li­chen Be­griffs­aus­le­gun­gen auf ver­schie­de­nen Kon­no­ta­tions­kon­tex­ten, wel­che di­ver­se Wis­sens­be­rei­che von der Bi­o­lo­gie bis zur phi­lo­soph­i­schen Teil­dis­zi­plin der Äs­the­tik ein­schlie­ßen. In der Zo­o­lo­gie ver­steht man da­run­ter die Fä­hig­keit ei­nes Le­be­we­sens, zum Zwecke der Tar­nung die Ge­stalt sei­ner Um­welt an­zu­neh­men. Als phi­lo­soph­i­scher To­pos spielt die Mi­me­sis schon so lan­ge ei­ne …

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Fette / Koschkarow / Lahme

Um vor dem Hin­ter­grund der über­mäch­ti­gen On­line-Kon­kur­renz die ei­ge­nen fi­nan­ziel­len Über­le­bens­chan­cen zu er­hö­hen, ist man im Buch­ein­zel­han­del schon seit ei­ni­ger Zeit da­zu über­ge­gan­gen, den Um­satz durch den ver­mehr­ten Ver­kauf so­ge­nann­ter Nicht­buch­ma­te­ria­lien wie Schreib­wa­ren, Schlüs­sel­an­hän­ger oder Spiel­zeug an­zu­kur­beln. Un­ter die­sen meist im Kas­sen­be­reich feil­ge­bo­te­nen Ar­ti­keln ha­be ich kürz­lich ein park­schei­ben­ähn­li­ches, als „Kunst­kri­tik-Schei­be“ be­zeich­ne­tes U­ten­sil ent­deckt, mit dem sich, durch das wech­sel­sei­ti­ge Dre­hen mit zahl­rei­chen Fach­be­grif­fen be­druck­ter Papp­rä­der, nicht we­ni­ger als 50.625 „Aus­sa­gen ü­ber die Kunst“ bil­den las­sen. Da­bei las­sen sich …

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Das Rote Zebra: Eine Künstlergruppe stellt sich vor

Das ZEBRA fängt mit Z an und hört mit A auf
Das Z ist schwarz
Das A ist weiß
Das EBR ist zwischen den Streifen

Dies lässt sich al­ler­dings nicht ü­ber al­le Ver­tre­ter die­ser Spe­zies be­haup­ten. Wer Mit­te No­vem­ber in der Carl­stadt un­ter­wegs war, konn­te das Glück ha­ben, dem ein­zig­ar­ti­gen Exem­plar ei­nes ro­ten Ze­bras zu be­geg­nen. Da­bei han­delt es sich je­doch nicht um ei­nen vier­hu­fi­gen Step­pen­be­woh­ner, son­dern um ei­ne acht­köp­fi­ge Küns­tler-Ko­o­pe­ra­ti­ve, de­ren Wer­ke zur Zeit in der Di­rect Art Gal­lery zu se­hen sind und de­ren Ar­beits­mit­tel­punkt sich …

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FORT: Sweet Sickness

Wie sich beim Zap­pen durch Fern­seh­prog­ram­me, dem Durch­ge­hen von Ra­dio­sen­dern o­der ei­nem Blick auf Buch­hand­lungs­re­ga­le kon­sta­tie­ren lässt, ge­ben Lie­bes­ge­schich­ten ein wie eh und je gän­gi­ges The­ma in­ner­halb un­ter­hal­tungs­kul­tu­rel­ler Gen­res ab, wo­hin­ge­gen sich die Hoch­kunst im Zu­ge der jüng­sten E­po­chen zu ei­ner e­her li­bi­do­frei­en Zo­ne ent­wickelt hat. Dar­stel­lun­gen von Put­ten und Schmet­ter­lin­gen um­spiel­ter, mehr oder we­ni­ger be­klei­de­ter Paa­re, die bis zum An­bruch der Mo­der­ne zum fes­ten Re­per­toire der pro­fa­nen und my­tho­lo­gi­schen I­ko­no­gra­phie ge­hör­ten, lau­fen heu­te Ge­fahr, den Ein­wand der Tri­via­li­tät o­der der Ob­szö­ni­tät zu er­re­gen. Da­bei las­sen sich, wie im Mo­tiv ei­nes Schach­spiels, wel­ches …

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Matthias Wollgast: Terminal Hel

Ei­ne sig­ni­fi­kan­te Ge­mein­sam­keit zwi­schen dem New Yor­ker Bild­hau­er Bill Wechs­ler, dem Im­pres­sio­nis­ten Clau­de Lan­tier und dem blin­den Nach­kriegs­a­vant­gar­dis­ten Ma­nu­el Ka­min­ski liegt in der Tat­sa­che, dass es sich bei ih­nen nicht um re­a­le Per­so­nen, son­dern um li­te­ra­ri­sche Cha­rak­te­re han­delt. Dass die Er­wei­te­rung des schöp­fe­ri­schen Ra­dius’, wel­che sich vom Schreib­tisch aus ü­ber die Fi­gur ei­nes er­fun­de­nen Küns­tlers her­bei­füh­ren lässt, eine gern wahr­ge­nom­me­ne Op­tion dar­stellt, lässt sich pro­mi­nent an­hand ei­ner von Hans Mag­nus En­zens­ber­ger he­raus­ge­ge­be­nen En­zy­klo­pä­die fik­ti­ver Küns­tler von 1605 bis heu­te vor Au­gen füh­ren. In­ex­is­ten­te Küns­tler fer­ti­gen …

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Christopher Lehmpfuhl: Vor Ort. Neue Bilder

Far­be be­zeich­net ge­mein­hin ei­ne op­ti­sche Qua­li­tät phy­si­scher Er­schei­nun­gen wie auch ei­ne aus Pig­men­ten und Bin­de­mit­teln be­ste­hen­de Sub­stanz, wo­bei Letz­te­res seit je­her zur bild­li­chen Wie­der­ga­be von Ers­te­rem ver­wen­det wird. Im Zu­ge die­ses Vor­gangs wird die Far­be zum zwei­deu­ti­gen Me­dium, wel­ches zwi­schen der ei­ge­nen Be­schaf­fen­heit und der An­mu­tung des Dar­ge­stell­ten os­zil­liert. Selbst- und Fremd­re­fe­ren­tia­li­tät bil­den al­so dem Mal­ma­te­rial in­hä­ren­te Fak­to­ren, aus de­ren Zu­sam­men­spiel sich maß­geb­li­che qua­li­ta­ti­ve Merk­ma­le er­ge­ben. Dass da­hin­ge­hen­de Kri­te­rien e­ben­so wie die ih­nen zu­grun­de­lie­gen­den Kon­ven­tio­nen ei­nem suk­zes­si­ven Wan­del un­ter­lie­gen, lässt sich am Bei­spiel kunst­ge­schich­tli­cher …

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