Alle Artikel in der Kategorie “Allgemein

Marcel Dzama: The Dove is never free

Als das Lämp­chen der klei­nen Sieb­trä­ger­ma­schi­ne ih­re Be­reit­schaft si­gna­li­sier­te, mach­te sich Fried­rich an die Zu­be­rei­tung sei­nes all­mor­gend­li­chen Heiß­ge­tränks, wel­ches zum Er­rei­chen der rich­ti­gen Trink­tem­pe­ra­tur ei­nes Schlucks kal­ter Milch be­durf­te. Mit Zeige- und Mit­tel­fin­ger schob er zwei La­mel­len der Ja­lou­sie aus­ei­nan­der und ver­ge­wis­ser­te sich, dass der Him­mel blau war, wo­rauf­hin er sich an den Kü­chen­tisch setz­te und ein we­nig in den so­zia­len Me­dien he­rum­scroll­te. Auch bei Schö­ne­wein schien am Vor­a­bend ganz schön et­was los ge­we­sen zu sein. Of­fen­sicht­lich war wäh­rend der Ver­nis­sa­ge ein Feu­er aus­ge­bro­chen, wo­rauf­hin man al­le Mü­he ge­habt hat­te, die Be­woh­ner der obe­ren Eta­gen vor den …

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Wolfgang Betke: und plötzlich: DER SÜßE KÜHLE DUFT VON MORGENWALD

Zei­tungs­le­ser, de­nen das Marx­sche Dik­tum ei­ner sich als Tra­gö­die und Far­ce er­eig­nen­den Dopp­lung his­to­ri­scher Er­eig­nis­se nicht un­be­kannt ist, mö­gen mit an­ge­mes­se­ner Wach­sam­keit ei­ni­ge vor dem Hin­ter­grund des ak­tu­el­len Welt­ge­sche­hens zur Rand­stän­dig­keit ver­kom­me­ne Mel­dun­gen über po­grom­ar­ti­ge Aus­schrei­tun­gen im Kunst­ver­ein Zwickau ver­folgt ha­ben, im Zu­ge de­rer sich das dor­ti­ge Per­so­nal und Pub­li­kum laut­star­ken und teils hand­greif­li­chen Ein­schüch­te­rungs­ver­su­chen sei­tens bräun­lich ver­färb­ter Corona-Leug­ner*in­nen aus­ge­setzt fand. Zeit­gleich zur Ver­brei­tung ei­nes jed­we­de freie Kunst­auf­fas­sung an­pran­gern­den Ge­dan­ken­guts über ab­sei­ti­ge Social-Media-Kanä­le for­mier­te sich im Ge­gen­zug ei­ne von …

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Gregor Russ: AS IF!

Die bun­ten Fische in den Aqua­rien waren schön ge­we­sen. Bei dem Essen war er sich nicht so sicher. Ente und Dim Sums in an­geb­li­cher Hong­kong-Qua­li­tät, von de­nen er ge­ra­de die Letz­te­ren eher so lala ge­fun­den hatte. Ein Klarer wäre nicht schlecht ge­we­sen, aber da­nach hatte man in dem Laden gar nicht erst zu fra­gen brau­chen. Wäh­rend er den Kopf an die Schei­be ge­lehnt die Au­gen schloss, nahm er hin­ter sei­nen Lidern den schwa­chen Schim­mer an ihm vor­bei­zie­hen­der Leucht­rek­la­men wahr. Dann hielt der Fah­rer an und er han­tier­te eine Wei­le mit der neuen Bezahl-App rum und war dann da. Drin­nen er­zähl­te ein ha­ge­rer Mann mit run­der Horn­brille ge­ra­de et­was über die Aus­stel­lung, dem Fried­rich, wäh­rend er …

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Florian Kuhlmann, Gretta Louw, Sebastian Schmieg: AUTOMATIC DREAMS

LOAD“*“,8,1 lau­te­te der ers­te und für lan­ge Zeit ein­zi­ge Ein­ga­be­be­fehl, den ich an ei­ner Com­pu­ter­tas­ta­tur ge­tä­tigt ha­be, um an ei­nem nicht zu­letzt zu Lern­zwecken er­hal­te­nen und fort­an de­zi­diert zu Nicht­lern­zwecken ein­ge­setz­ten C64 Spie­le wie bei­spiels­wei­se Gaunt­let oder Great Gia­na Sis­ters ans Lau­fen zu brin­gen und un­ter re­gel­mäßi­ger Ver­nach­lässi­gung mei­ner Haus­auf­ga­ben den Nach­mit­tag zu ver­tun, wo­bei das en­thu­sias­ti­sche Joy­stick-Ge­rüt­tel im­mer und ent­schei­dend durch den äs­the­ti­schen Reiz des syn­chron in brö­se­li­ger 8-Bit-Grafik statt­fin­den­den Bild­schirm­ge­sche­hens mo­ti­viert wur­de. Legt man die be­ein­drucken­de Ge­schwin­dig­keit, mit der sich die Qua­li­tät von IT-Pro­duk­ten seit­dem …

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Mark Alexander: Love Between The Atoms

Wer sich ger­ne mit Bi­o­gra­phien be­rühm­ter Leu­te be­fasst und da­bei Fo­tos o­der sons­ti­ge Bild­do­ku­men­te aus de­ren Kind­heit be­trach­tet, wird ver­mut­lich fest­ge­stellt ha­ben, dass ei­nem Sel­bi­ge, ein­ge­denk der spä­te­ren, da­mals noch nicht fest­ste­hen­den Le­bens­we­ge, in ei­nem Lich­te schick­sal­haf­ter Vor­her­be­stimmt­heit er­schei­nen. Je nach­dem, wie tur­bu­lent und pro­ble­ma­tisch sich die So­zia­li­sa­tio­nen je­wei­li­ger Per­so­nen ge­stal­tet und wie un­ver­hofft die­se schließ­lich zu ei­ner denk­wür­di­gen Selbst­ver­wirk­li­chung ge­führt ha­ben, eig­nen sich ent­spre­chen­de Er­zäh­lun­gen als li­te­ra­ri­scher Stoff, wel­cher es bis­wei­len mit gro­ßen A­ben­teu­er­e­pen auf­neh­men kann. So wie das mensch­li­che Da­sein wird auch kul­tu­rel­le …

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Sabine Meier: Metamorphosis and Aporias

Als „Gehirn-im-Tank-Problem“ be­zeich­net man ein von der Hy­po­the­se aus­ge­hen­des Ge­dan­ken­ex­pe­ri­ment, wo­nach die Ge­samt­heit sinn­lich ver­mit­tel­ter Er­fah­rung, ein­schließ­lich je­ner der ei­ge­nen Kör­per­lich­keit, auf ei­ner blo­ßen Si­mu­la­tion be­ru­he. Gleich­zei­tig lie­ße sich ei­ne ent­sprech­en­de, nicht ein­wand­frei wi­der­leg­ba­re Vor­stel­lung als ü­ber­spitz­tes Sinn­bild ei­ner räum­lich i­so­lier­ten und le­dig­lich mit­tels di­gi­ta­ler Ver­net­zung mit ih­rer Au­ßen­welt in­ter­a­gie­ren­den Per­son auf­fas­sen. Um­stän­de, un­ter de­nen sich das so­zia­le Ge­gen­ü­ber we­ni­ger denn je in na­tu­ra und um­so öf­ter in Form e­lek­tro­nisch ge­ne­rier­ter Sig­na­le ma­ni­fes­tiert, las­sen die auf In­sta­gram aus­ge­ge­be­ne De­vi­se „pics or it didn’t hap­pen“ als …

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Thomas Schütte und Ludger Gerdes: WEITER · WARTEN

Hello Darkness, my old Friend … Nach­dem man das von lan­des­vä­ter­li­cher Sei­te prog­nos­ti­zier­te, „här­tes­te Weih­nach­ten seit Grün­dung der BRD“ und dann noch das lei­ses­te Sil­ves­ter seit Er­fin­dung des Polen­böllers über­stan­den hat, hält der tra­di­tio­nell tris­te Ja­nuar und da­mit auch die Fort­set­zung des ers­ten Seu­chen­jahrs er­nüch­tern­de Aus­sich­ten be­reit. Das Kul­tur­an­ge­bot hat sich na­he­zu rest­los aus­ge­dünnt, die Gas­tro­no­mien ge­schlos­sen und das Pro­gramm der Strea­ming­diens­te gibt all­mäh­lich im­mer we­ni­ger her. Statt­des­sen kann man den im­mer­glei­chen Ge­sich­tern in abend­li­chen Talk­shows bei der Aus­ei­nan­der­set­zung ethi­scher Di­lem­ma­ta zu­gucken, wel­che sich aus der Ab­wä­gung et­wa­i­ger Kol­la­te­ral­schä­den ei­ner …

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Gehard Demetz & Desmond Lazaro: Identities

„Geistes­wissen­schaft­ler be­we­gen sich in ei­nem Meer aus Wis­sen – mit zehn Zen­ti­me­tern Tief­gang.“ Dieses Bon­mot, mit dem ei­ne Per­son aus mei­nem Freun­des­kreis im vor­ge­rück­ten Sta­dium ei­nes ge­mein­sa­men Res­tau­rant­be­suchs ein­mal für Er­hei­te­rung ge­sorgt hat, könn­te, so­weit man nicht ge­ra­de mit über­ra­gen­den kog­ni­ti­ven und in­tel­lek­tu­el­len Ka­pa­zi­tä­ten ge­seg­net ist, auch ein tref­fen­des Be­rufs­cre­do für all je­ne ab­ge­ben, die sich das Re­den und Schrei­ben über die Kunst zur Auf­ga­be ge­macht ha­ben. Für den Fall, dass sich der ei­ge­ne Kopf auch in­fol­ge red­li­cher Be­mü­hung als un­ge­eig­net he­raus­stellt, um In­hal­te gan­zer Bi­bli­o­theks­re­ga­le mit sich he­rum­zu­tra­gen, ist es um­so wich­ti­ger, sich die ge­ra­de be­nö­tig­ten …

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