Thomas Schütte und Ludger Gerdes: WEITER · WARTEN

Hello Darkness, my old Friend … Nach­dem man das von lan­des­vä­ter­li­cher Sei­te prog­nos­ti­zier­te, „här­tes­te Weih­nach­ten seit Grün­dung der BRD“ und dann noch das lei­ses­te Sil­ves­ter seit Er­fin­dung des Polen­böllers über­stan­den hat, hält der tra­di­tio­nell tris­te Ja­nuar und da­mit auch die Fort­set­zung des ers­ten Seu­chen­jahrs er­nüch­tern­de Aus­sich­ten be­reit. Das Kul­tur­an­ge­bot hat sich na­he­zu rest­los aus­ge­dünnt, die Gas­tro­no­mien ge­schlos­sen und das Pro­gramm der Strea­ming­diens­te gibt all­mäh­lich im­mer we­ni­ger her. Statt­des­sen kann man den im­mer­glei­chen Ge­sich­tern in abend­li­chen Talk­shows bei der Aus­ei­nan­der­set­zung ethi­scher Di­lem­ma­ta zu­gucken, wel­che sich aus der Ab­wä­gung et­wa­i­ger Kol­la­te­ral­schä­den ei­ner …

Schreibe einen Kommentar

Gehard Demetz & Desmond Lazaro: Identities

„Geistes­wissen­schaft­ler be­we­gen sich in ei­nem Meer aus Wis­sen – mit zehn Zen­ti­me­tern Tief­gang.“ Dieses Bon­mot, mit dem ei­ne Per­son aus mei­nem Freun­des­kreis im vor­ge­rück­ten Sta­dium ei­nes ge­mein­sa­men Res­tau­rant­be­suchs ein­mal für Er­hei­te­rung ge­sorgt hat, könn­te, so­weit man nicht ge­ra­de mit über­ra­gen­den kog­ni­ti­ven und in­tel­lek­tu­el­len Ka­pa­zi­tä­ten ge­seg­net ist, auch ein tref­fen­des Be­rufs­cre­do für all je­ne ab­ge­ben, die sich das Re­den und Schrei­ben über die Kunst zur Auf­ga­be ge­macht ha­ben. Für den Fall, dass sich der ei­ge­ne Kopf auch in­fol­ge red­li­cher Be­mü­hung als un­ge­eig­net he­raus­stellt, um In­hal­te gan­zer Bi­bli­o­theks­re­ga­le mit sich he­rum­zu­tra­gen, ist es um­so wich­ti­ger, sich die ge­ra­de be­nö­tig­ten …

Schreibe einen Kommentar

Ei Arakawa: Fees & Nerf

Kunst­ver­mitt­lung ist ei­ne so­ge­nann­te Se­kun­där­dis­zi­plin, die man in­so­fern als et­was wi­der­sin­nig an­se­hen könn­te, als dass sich ihr prak­ti­scher Zweck in der Aus­ei­nan­der­set­zung mit prak­tisch nicht­zweck­mä­ßi­gen Her­vor­brin­gun­gen an­de­rer Per­so­nen er­schöpft. So, wie man sich sein The­ma nicht selbst aus­denkt sind auch die kre­a­ti­ven Spiel­räu­me, im Ge­gen­satz zu je­nen, de­rer sich Küns­tle­rin­nen und Küns­tler er­freu­en, e­her eng ge­steckt. Man kann sich je nach Ver­füg­bar­keit ei­nen mehr oder we­ni­ger ho­hen Sta­pel sach­be­zo­ge­ner Pub­li­ka­tio­nen zu Ge­mü­te füh­ren und in Er­gän­zung zu Er­kennt­nis­sen, die sich aus der un­mit­tel­ba­ren Werk­be­trach­tung er­ge­ben, ei­ne selbst­stän­di­ge He­raus­ar­bei­tung par­ti­ku­lä­rer …

Schreibe einen Kommentar

Heike Kabisch / Jürgen Malcherek: White Rabbit

Es muss un­ge­fähr ei­nen Mo­nat her sein, dass ich beim Lau­fen ei­nen Blick von der Rhein­knie­brücke auf das Man­nes­mann­u­fer ge­wor­fen und ei­ne re­gel­mäßi­ge An­ord­nung weißer Krei­de­krei­se auf der dor­ti­gen Lie­ge­wie­se ent­deckt ha­be. Kla­rer Fall von Land-Art, dach­te ich, gu­te Idee, zu­mal das Gan­ze auch von den Leu­ten, die sich ver­ein­zelt in den Krei­sen nie­der­ge­las­sen hat­ten, gut an­ge­nom­men zu wer­den schien – so­zia­le Plas­tik auch ir­gend­wie, wo­bei es sich ja streng ge­nom­men um Ma­le­rei han­del­te. So o­der so wür­de sich die­ses Werk, so­weit es noch län­ger exis­tie­ren soll­te, ins Prog­ramm mei­ner kunst­ver­mitt­le­ri­schen Rund­gän­ge durch die Alt- und Carl­stadt in­te­grie­ren las­sen. Oh­ne­hin eig­net sich die Ecke …

Schreibe einen Kommentar

Hans-Peter Feldmann / Thomas Ruff / Juergen Staack

Un­ter dem gut klin­gen­den Be­griff „Flash­bulb Me­mo­ries“ o­der „Blitz­licht­e­rin­ne­rung“ be­zeich­net man ei­nen kog­ni­ti­ven Vor­gang, im Zu­ge des­sen sich die per­sön­li­che Si­tu­a­tion im Au­gen­blick der zur Kennt­nis­nah­me welt­ver­än­dern­der Ge­scheh­nis­se un­wi­der­ruf­lich ins Ge­dächt­nis ein­brennt. Per­so­nen, die zu Zeu­gen zeit­glei­cher Be­richt­er­stat­tung von Er­eig­nis­sen wie der Re­ak­tor­ka­tas­tro­phe von Tscher­no­byl, dem Fall der Ber­li­ner Mau­er oder dem Ein­sturz des World Tra­de Cen­ters ge­wor­den sind, wis­sen im All­ge­mei­nen noch ge­nau, wo sie wa­ren und was sie ge­ra­de ta­ten, als die dies­be­züg­li­chen Nach­rich­ten sie er­reich­ten. Wie es der Wort­laut be­reits ver­deut­licht, glei­chen die­se Erin­ne­run­gen Mo­ment­auf­nah­men …

Schreibe einen Kommentar

Jörn Stoya: Ne Me Quitte Pas

Hy­po­chon­drisch grun­dier­te Be­find­lich­keits­be­kun­dun­gen ge­hö­ren grund­sätz­lich we­ni­ger zu der Ka­te­go­rie von Äu­ße­run­gen, die sich pro­duk­tiv in kunst­be­zo­ge­ne Fach­tex­te ein­brin­gen las­sen. Um­stän­de, un­ter de­nen sich kaum ein Hand­griff tä­ti­gen lässt, oh­ne ü­ber ge­sund­heit­li­che Kon­se­quen­zen für sich und an­de­re nach­zu­den­ken, mö­gen ei­ne dies­be­züg­li­che Aus­nah­me recht­fer­ti­gen, zu­mal es die­ser Ta­ge nicht nur um die kol­lek­ti­ve Ver­mei­dung ei­ner po­ten­tiell le­bens­be­droh­li­chen Er­kran­kung, son­dern auch um kör­per­li­che und psy­chi­sche Be­ein­träch­ti­gun­gen geht, wel­che in­fol­ge ei­ner vom stän­di­gen Sound mehr oder we­ni­ger a­lar­mie­ren­der „Co­ro­na-News“ un­ter­mal­ten Stu­ben­hocke­rei ge­ra­de­zu vor­pro­gram­miert sind …

Schreibe einen Kommentar

Michaël Aerts: Planetarium

Ei­gent­lich bö­ten sich an­läss­lich ei­nes pan­de­mie­be­ding­ten Shut­downs und ei­ner für vie­le un­um­gäng­li­chen Ver­rin­ge­rung be­ruf­li­cher Ak­ti­vi­tä­ten un­ge­ahn­te Frei­hei­ten, sich die Zeit mit aus­u­fern­dem Kul­tur­ge­nuss zu ver­trei­ben, wo­bei das Be­su­chen von Aus­stel­lun­gen, an­ders als das na­tur­ge­mäß in den ei­ge­nen vier Wän­den mög­li­che Bü­cher­le­sen, Fil­me­gucken und Mu­sik­hö­ren, be­dau­er­li­cher­wei­se au­ßen vor bleibt. Die Tat­sa­che, dass sich we­der die Be­trach­tung von Kunst­wer­ken in Ga­le­rien und Mu­seen noch pri­va­te Ur­laubs­rei­sen mit den der­zeit ge­bo­te­nen Ver­hal­tens­wei­sen über­ein brin­gen las­sen, ha­ben auch durch mei­ne Plä­ne ei­nen Strich ge­macht. Zum Ei­nen hat es sich mit der Kunst­ver­mitt­lung vor Ori­gi­na­len fürs Er­ste …

Schreibe einen Kommentar

Ulli Maier: Instant Vintage

So, wie sich die Da­seins­be­rech­ti­gung ei­nes Kell­ners an der Not­wen­dig­keit fest­macht, Spei­sen und Ge­trän­ke an ei­nen Tisch zu tra­gen, ver­dankt sich je­ne ei­nes Kunst­ver­mitt­lers grund­sätz­lich der Ver­mitt­lungs­be­dürf­tig­keit von Kunst­wer­ken. An­ders als im Res­tau­rant be­steht der ei­gen­tli­che Er­leb­nis­wert da­bei mit­un­ter we­ni­ger in dem, was man ser­viert, als in dem, was man vor­ent­hal­ten be­kommt. Ein­ge­denk der Vor­stel­lung, wo­nach die Kunst als Aus­drucks­me­dium welt­an­schau­li­cher Ideen selbst im­mer mehr in den Rang ei­nes welt­an­schau­li­chen Sys­tems auf­steigt, er­scheint es nicht ganz ab­we­gig, be­stimm­te küns­tle­ri­sche Ten­den­zen, de­ren Re­le­vanz­an­spruch sich ex­pli­zit in Ab­gren­zung von …

Schreibe einen Kommentar